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Wissensmanagement  

Versteckte Millionen bei der Caritas?

Die Caritas-Zentrale hat erstmals ihr immaterielles Vermögen untersucht und eine Wissensbilanz erstellt

Klothilde Birkle, Sachbearbeiterin - seit 26 Jahren bei der Caritas; Dr. Ingeborg Feige, Leiterin der Caritasbibliothek - seit 14 Jahren bei der Caritas; Elisabeth Liwadas, Sekretärin - seit 3 Jahren bei der Caritas.

Das sind nur drei von 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Zentrale des Deutschen Caritasverbandes. Sie haben unterschiedliche Ausbildungen und Qualifikationen, sie arbeiten unterschiedlich lange für die Caritas, manche von ihnen haben Familie, manche sind ledig, ihre Lebensläufe sind so verschieden, wie das eben bei 350 Menschen ist. Dennoch haben sie einiges gemeinsam: ihr überdurchschnittliches Engagement, ihre Motivation für die Caritas zu arbeiten und eine christliche Werteorientierung, die ihre Arbeit prägt.

Wie können die Ziele der Caritas optimal erreicht werden?
Ob und wie die Zentrale des Deutschen Caritasverbandes ihre Ziele umsetzen kann, hängt wesentlich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ab. Aber auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle: Verbindungen zu Sponsoren zum Beispiel, Wissenstransfer mit Universitäten und Forschungseinrichtungen oder auch die vorhandene EDV-Infrastruktur. Bislang gab es kaum Ansätze, diese wichtigen Faktoren zu prüfen, zu bewerten und zu steuern. Solche immateriellen Vermögenswerte tauchen in keiner Bilanz auf. Lassen sie sich überhaupt bewerten?

Das Pilotprojekt des Arbeitskreises Wissensbilanz (AK-WB)
2004 haben 14 Unternehmen und Organisationen, darunter die Zentrale des Deutschen Caritasverbandes, genau das versucht: Im Rahmen eines Pilotprojektes, gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium, das Fraunhofer Institut Berlin und den Arbeitskreis Wissensbilanz, haben sie eine Wissensbilanz als Instrument zur Erfassung, Darstellung und Bewertung immaterieller Vermögenswerte erstellt. Daraus ist ein Leitfaden entstanden, der Unternehmen eine Handreichung zur Erstellung einer Wissensbilanz bietet.[1]

Wissensbilanz - Was ist das?
Eine Wissensbilanz gibt Aufschluss darüber, wie die Organisation für die Zukunft aufgestellt ist. Gibt es genügend gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter? Fördert die Organisation eine Kultur der Wissensbildung und Wissensteilung? Sind die Strukturen flexibel genug, den ständig wachsenden Anforderungen im Sozialbereich stand zu halten und innovativ mit den gesetzlichen Bestimmungen umzugehen? Wie steht es mit der vorhandene EDV-Infratsruktur, den Beziehungen zu den kommunalen und anderen externen Partnern und Geldgebern? Diese Faktoren bestimmen in hohem Maße, wie überlebensfähig eine Organisation ist. Um am Markt bestehen zu können, muss sich eine Organisation über ihre Stärken und ihren Optimierungsbedarf bewusst sein.

Die Umsetzung in der Zentrale des Deutschen Caritasverbandes
Im Juni 2004 hat ein neunköpfiges Projektteam begonnen, eine Wissensbilanz für die Caritas-Zentrale zu erstellen. Einige wichtige Faktoren:

Humankapital: zukunftsorientierte Fachlichkeit, ideelle Mitarbeitermotivation, christliche Werteorientierung und partizipative Führungskompetenz.
Strukturkapital: eine wirkungsvolle und individuell akzeptierte Personalentwicklung, eine genutzte und gewartete Wissensplattform (dazu gehören die Publikationen der Zentrale, die Bibliothek, das Archiv, die neuen Medien und die Kampagnenarbeit), eine vernetzte Kommunikationsstruktur.
Beziehungskapital: Know-how-Partnerschaften (Zusammenarbeit mit externen Experten, Forschungsaufträge für Universitäten etc. ), ein glaubwürdiges Image und ein hoher Bekanntheitsgrad.

Die Definition der Faktoren und deren Bewertung sowie die daraus resultierenden Wirkungsnetze, aus denen erkennbar ist welche Wirkung die Faktoren untereinander haben wurden in einer spannenden, kontrovers geführten Diskussion erarbeitet. Insgesamt wurden rund 400 Arbeitsstunden in dieses Projekt investiert. Das Ergebnis: Auf einer 60 Seiten umfassenden Wissensbilanz verfügt die Zentrale des Deutschen Caritasverbandes nun über eine fundierte Einschätzung ihres intellektuellen Kapitals. Diese Wissensbilanz wird vorerst nur intern verwendet, über eine weitere Verwendung wird beraten.

Im Jahr 2007 hat die Zentrale des Deutschen Caritasverbandes ihre 2. Wissensbilanz erstellt.

Erstmals hat im Sommer 2006 auch ein Orts-Caritasverband eine Wissensbilanz erstellt. Unter Moderation von Mart Kivikas, Arbeitskreis Wissensbilanz, hat der Caritasverband Leipzig e.V. eine Erfassung und Bewertung des intellektuellen Kapitals durchgeführt.
Informationen zu dem Caritasverband finden Sie unter: www.caritas-leipzig.de

Auch das Meinwerk-Institut in Paderborn, eine Einrichtung des Deutschen Verbandes IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit für die Bereiche Erwachsenenbildung und Jugendsozialarbeit, hat im Herbst 2006 unter der Moderation von Mart Kivikas eine Wissensbilanz erstellt. Eine Tagung zu diesem Thema ist für Oktober 2007 in Paderborn geplant. Informationen zum Meinwerk-Institut finden Sie unter: www.meinwerk.de

Weitere Literatur:
Birgit Winterhalter: Wissensbilanzen für soziale Organisationen. in: Sozialwirtschaft. Zeitschrift für Sozialmanagement. 2/2005.

Wissensbilanzen. Intellektuelles Kapital erfolgreich nutzen und entwickeln. Hrsg.: Kai Mertins, Kay Alwert, Peter Heisig. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg. 2005.
ISBN: 3-540-23719-4

Weiterführende Links:
Arbeitskreis Wissensbilanz http://www.akwissensbilanz.org/


[1] Wissensbilanz - Made in Germany. Leitfaden. Hrsg.: Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Berlin. 2006. Bestellung über www.bmwa.bund.de

 

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